Zwischen Theorie und Praxis - der Unterricht Geschichte

Gegenwärtig versucht der Unterricht in Geschichte eigenständiges und kritisch historisches Denken anzuregen. Ziel ist es, Geschichtsbewusstsein zu stärken, den Lernenden in die Lage zu versetzten, auch nach Ende der Schulzeit ohne Anleitung selbstständig denken zu können. Ziel ist es, seine Identität zu stärken, Reflexionskompetenzen zu fördern und die Teilnahme an der gesellschaftlichen Diskussion über zeitgeschichtlichen Themen zu ermöglichen. Somit ergibt sich der Versuch, den Unterricht in Geschichte weit über Faktenwissen und weit über Einstellungsformung zu definieren. Die einst starren Formen und Inhalte sollen aufgebrochen und diskutiert werden. Der gegenwärtige Geschichtsunterricht steht in einem starken Kontrast zu den, im 19. Jahrhundert praktizierten Vorhaben, bestimmte Überzeugungen und Paradigmen zu vermitteln. So konzentrierten sich Gymnasien vermehrt auf die Auseinandersetzung mit der monarchistisch-dynastischen Loyalität. In kommunistischen Perioden wurde der Unterricht in Geschichte auf sozialistisches Klassenkampfdenken ausgerichtet. Volksschulen legten den Schwerpunkt auf die heimatliche oder preußisch-deutsche Geschichte, Lehrziele und Inhalte unterlagen strenger politischer Kontrolle. Besonders im Rahmen des 2. Weltkriegs wurde der Geschichtsunterricht zum Werkzeug der nationalsozialistischen Propaganda. Mit Zunehmender Bedeutung der kritischen Geschichtsdidaktik gelang es , besonders seit 1970, den Unterricht weitgehend objektiv und neutral zu gestalten. Heute steht die Diskussion von politischen und historischen Gesellschaftssystemen, Demokratie- und Menschenrechtserziehung im Mittelpunkt des Geschichtsunterrichts. Er bleibt als Schulfach eine staatliche Veranstaltung und unterliegt staatlich geregelten Lehrplänen oder offener Rahmenpläne. Das setzt eine ständige Kontrolle und kritische Reflexion von politischen Instrumentalisierungsmaßnahmen voraus und hält eine fortlaufende öffentliche Auseinandersetzung mit den Unterrichtsinhalten aufrecht.
Der Unterricht selbst ist ein komplexes soziales Geschehen, in dem Ruth Cohn die drei Komponenten SchülerInnen, LehrerIn und Thema als grundlegende Einflussvariablen sieht. Historisches Lernen unterliegt somit neben inhaltlichen auch sozialen und kommunikativen Bedingungen, was ein angemessene Planung, Gestaltung und Evaluierung des Unterrichts in Geschichte unumgänglich macht. Vergangene Lebensformen werden beforscht, analysiert und diskutiert. Eine fachübergreifende Einbindung der Geschichtsthematik, z.B. mit Geographie, Deutsch, Religion, Fremdsprachen, Musik, Mathematik ist förderlich und wird in den meisten Fällen praktiziert. Die Unterrichtsgestaltung schließt die Aktivierung der inneren Motivation des Lernenden mit ein. Mit Hilfe verschiedener Lehrtechniken, beispielsweise mit Hilfe des sokratischen Dialogs, wird den Schülern eine Vertiefung in angestrebte Themengebiete ermöglicht. Bei der Themenwahl gelten bestimmte Kriterien als Anhaltspunkt. Es ist den Fragen nachzugehen, ob das Thema gegenwartsrelevant und repräsentativ ist, ob es aktuelle Sinnfragen berührt,ob es institutionell sinnvoll, machbar und überschaubar ist, ob eine fächerübergreifende Anschlussfähigkeit besteht.
Durch ein breites Angebot an Medien soll eine Vermittlung der Inhalte auf bestmöglichem Weg geschehen. Am effizientesten hat sich die Verwendung von Printmedien, beispielsweise das Geschichtsbuch, bewährt. Filme, Personen als InformationsträgerInnen, Spiele und Spielutensilien finden besonders im Unterricht der Geschichte eine hervorragende Verwendung.
Desweiteren ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Theorie und Praxis von großer Bedeutung. Exkursionen und Schullandwochen bieten sich für das Erfassen und Erleben des theoretischen Gelernten im Unterricht der Geschichte besonders an.

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